"Neue Wege gehen": Für Johannes Lotz ist das Kapitel Rudern erst mal beendet

"dankbar für die vergangenen zehn Jahre Leistungssport"

Psychologiestudium in Berlin im Mittelpunkt

Topskuller Johannes Lotz, vierfacher WM-Medaillengewinner, siebenmaliger Deutsche Meister. Foto: 2000meter.de
Topskuller Johannes Lotz, vierfacher WM-Medaillengewinner, siebenmaliger Deutsche Meister. Foto: 2000meter.de

Schreibtisch statt Rennboot, Werkstudent statt Schlagmann: Für Johannes Lotz, 22, den erfolgreichsten Hanauer Ruderer der letzten Jahrzehnte, gibt es eine neue Kleiderordnung. Renneinteiler und Deutschlandtrikot bleiben im Schrank, stattdessen kommen hin und wieder Anzug, Oberhemd und Krawatte zum Einsatz. „Mein nächstes Kapitel beginnt. Nach neun Semestern Psychologie bringe ich meinen Bachelor ins Ziel. Parallel wird gearbeitet“, blickt der vierfache WM-Medaillengewinner und HANAUER Sportler des Jahres 2014 auf seine weitere Zeit in der Bundeshauptstadt.

 

Die letzten Jahre radelte der Psychologiestudent zum Rudertraining an den Berliner Olympiastützpunkt Hohenzollernkanal und zum Uni-Campus im Ortsteil Dahlem. Die Route verläuft seit kurzem gänzlich anders, denn der Zielpunkt Bootshaus fehlt. Das Studium und ein Arbeitsplatz als Werkstudent im Berliner Regierungsviertel bestimmen neuerdings den Kurs des 22-Jährigen Top-Athleten.

 

"Neue Türen geöffnet"

Der siebenfache deutsche Meister hat die Saison 2019 mit WM-Silber im Doppelvierer abgeschlossen und gehört fortan zur Eliteklasse, die bereits vor Jahresfrist am Bundesstützpunkt Hamburg/Ratzeburg ihren Kaderkreis für Olympia formiert hat. Die Teams für Tokio spielen sich ein. Johannes Lotz nutzt diesen Zeitpunkt für ein leistungssportliches Break: „Ich bin dankbar für die vergangenen zehn Jahre Leistungssport, in denen ich viel erleben und viel lernen durfte. Allerdings ist für mich mit dem Abschluss der U23-Altersklasse der Zeitpunkt gekommen, um das Kapitel Leistungssport erst mal zu beenden und neue Wege zu gehen.“ Sein Praktikum in den vergangenen Monaten habe ihn in diesem Schritt bekräftigt und ihm unerwartet neue Türen geöffnet. 

 

Nach einer kompletten Dekade Leistungssport folgt im neuen Jahr zunächst die Bachelorarbeit in Psychologie und anschließend berufsbegleitend der Master in Psychologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaft - oder ein Master in Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Personal. Erste Praxisluft konnte Lotz bereits im Berufspraktikum als „Research Analyst“ der Personalberatung „Hoffmann & Partner“ im John-F.-Kennedy-Haus inmitten des Berliner Regierungsviertels schnuppern.

 

Arbeitsabläufe optimieren

Statt Trainingspläne fürs Rudertraining gab es für ihn drei Monate lang projektbezogenes Arbeiten bei der Suche und Ansprache geeigneter Kandidaten für vakante Führungspositionen. Seinen Teamgeist konnte der Schlagmann des deutschen U23-Quartetts im Bereich „Business Development“ unter Beweis stellen, indem er maßgeblich ein Tool im Projektcontrolling zur Optimierung von Arbeitsabläufen mitentwickelte.

 

Der Weg zu „Hoffmann & Partner“, die mit ihren von Gerhard Delling moderierten Wirtschaftstreffs „Dachgespräche am Kanzleramt“ hochranginge Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft diskutieren lassen, erweist sich für den Mannschaftssportler Lotz als Glücksfall: „Die Begriffe Leistung und Ergebnis bekommen für mich aus zweitem Blickwinkel eine neue Bedeutung. Das Metier ist spannend“, erläutert Lotz. So bezeichnet Geschäftsführerin Anke Hoffmann die Mitarbeiter eines Unternehmens als wichtigsten Erfolgsfaktor. Die passenden Leute einzustellen, sei demzufolge das Beste, was ein Manager tun könne. Mehr lesen ...

 

sl


Eine Dekade Leistungssport: Das Profil von Johannes Lotz auf einen Blick. Grafik/Foto: 2000meter.de/DRV Schwier
Eine Dekade Leistungssport: Das Profil von Johannes Lotz auf einen Blick. Grafik/Foto: 2000meter.de/DRV Schwier




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