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Ex-Weltklasseruderin Angela Schuster gestaltet den besonderen Preis für deutsche Sportidole

„Goldene Sportpyramide“ ganz groß, ganz klein

Die Goldschmiedin in ihrem Element: Angela Schuster begutachtet das Meisterstück für Hans Wilhelm Gäb. Foto: 2000meter.de
Die Goldschmiedin in ihrem Element: Angela Schuster begutachtet das Meisterstück für Hans Wilhelm Gäb. Foto: 2000meter.de

Die "Goldene Sportpyramide" fürs Jahr 2020 glänzt und funkelt an einem trüben Novembertag frisch poliert und vor allem termingerecht auf der Werkbank von Goldschmiedin Angela Schuster in Hanau. Die feierliche Überreichung lässt allerdings noch etliche Monate auf sich warten: Die Deutsche Sporthilfe verschiebt die Gala aufgrund des Corona-Lockdowns vom 8. Dezember 2020 auf den 27. Mai 2021 in Berlin. Der 21. Preisträger Hans Wilhelm Gäb muss sich zwangsläufig gedulden – ebenso die weiteren Neu-Mitglieder der „Hall of Fame des deutschen Sports“, die zeitgleich in der Bundeshauptstadt geehrt werden sollen.

 

Verena Bentele (Para-Biathlon und -Langlauf), Georg Hackl (Rennrodeln) und Thomas Lange (Rudern) bilden mit Gäb das neue Quartett in der Ehrenloge des deutschen Sports, in der mittlerweile 121 Athletinnen und Athleten versammelt sind. Hans Wilhelm Gäb gilt als eine der profiliertesten und angesehensten Personen des deutschen Sports. Der frühere Tischtennis-Nationalspieler, Wirtschaftsführer und Funktionär hat fast ein halbes Jahrhundert lang als Gesicht für fairen und sauberen Wettkampf dem deutschen und internationalen Sport seinen Stempel aufgedrückt. Das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro wird von Katarina Witt, Stiftungsrat-Mitglied der Deutschen Sporthilfe und selbst Preisträgerin der „Goldenen Sportpyramide“ im Jahr 2010, bereitgestellt und geht traditionell an Projekte im Sport, die vom Preisträger zu benennen sind.

 

Bronzeguss, 2,3 Kilogramm schwer

2019 konnte Schwimmerin Franziska van Almsick die von Angela Schuster gestaltete Sportpyramide in Händen halten. Schuster feierte damals ein besonderes Jubiläum: Als am 21. November 2019 die Scheinwerfer im Allianz Forum der Bundeshauptstadt aufleuchteten, stand ihr Werk zum 20. Mal im Mittelpunkt. Die ehemalige Hanauer Weltklasse-Ruderin hat die „Goldene Sportpyramide“, in die alle von der Sporthilfe geförderten Sportarten eingraviert sind, ununterbrochen seit dem Auftakt im Jahr 2000 hergestellt. Die 53-jährige startete jahrelang für die Hanauer Rudergesellschaft 1879 (HRG), ist ausgebildete Goldschmiedin und hauptberuflich als Leiterin einer DHL-Zustellbasis tätig.

 

1999 kam die Deutsche Sporthilfe auf die damals 32-jährige Hanauerin zu, als sie gerade ihre Ausbildung zur Goldschmiedin abgeschlossen hatte. Ein völlig neuer Preis sollte entstehen. Im Fokus: die Besten der Besten im deutschen Sport. Fußball, so erinnert sich Schuster, war im Anfangsmodell noch gar nicht vorgesehen. Viele andere Sportarten zierten seinerzeit die Seiten der Pyramide.

 

Die Namen der Preisträger sind seit jeher prominent ganz oben an der vergoldeten Spitze platziert. Das Datum und der Ort der feierlichen Überreichung stehen am Fuß des 20x12x12 Zentimeter großen Preises. Der Korpus und die Platte der im Schleuderguss-Verfahren hergestellten Pyramide sind einzeln zusammengeschweißt. Der hohlmontierte Bronzeguss ist 2,3 Kilogramm schwer, die Spitze ist mit einer galvanischen Vergoldung veredelt.

 

Sportpyramide auch im Mini-Format als Anstecknadel

Für den Fall, dass etwas auf dem Weg zur Preisverleihung schieflaufen sollte und das Schmuckstück verlorengeht, hat Schuster stets eine Ersatzpyramide in Reserve. Den großen Preis gibt es übrigens auch als kleine Variante: Schuster hat Anstecknadeln en miniature kreiert, mit 925er Silber sowie vergoldeter Spitze veredelt und auf nur noch ein Zentimeter Größe „geschrumpft“. Gut für den Fall, dass die Preisträger bei ihren Auftritten nicht mit dem Bronzeguss unter dem Arm, sondern der kleinen Pyramidennadel am Revers oder Kleid unterwegs sein möchten.

 

Angela Schuster sind ihr Debüt als künstlerische Schöpferin der Sportpyramide und die Begegnungen mit den Sport-Promis noch in guter Erinnerung. Im Rückblick hebt sie den fünfmaligen Springreiter-Olympiasieger Hans Günter Winkler, der ihre erste Sportpyramide erhielt, sowie die ehemaligen Skistars Rosi Mittermaier und Christian Neureuther als besonderes Erlebnis hervor. „Es freut mich einfach“, blickt Schuster bescheiden auf mehr zwei Jahrzehnte Sportpyramide zurück.

 

Neureuther, Graf, van Almsick und Co. …

Elf Jahre lang war Angela Schuster auf internationalen Regattaplätzen mit überragenden Erfolgen unterwegs. Dem Abitur und dem Studium der Sportwissenschaften folgte eher per Zufall die Liebe zur Goldschmiedekunst, die sie schließlich mit der Meisterprüfung zu ihrer Profession machte. Hier leistete sie als Schöpferin der „Goldenen Sportpyramide“ ebenfalls Außergewöhnliches. Ihre Kunstwerke stehen seit dem Jahr 2000 bei absoluten Promis in der Vitrine: Neben Franziska von Almsick im Jahr 2019 auch bei Klaus Steinbach (2018), Christian Neureuther (2017), Bernhard Langer (2016), Joachim Löw (2015), Jochen Schümann (2014), Willy Bogner (2013), Henry Maske (2012), Heide Ecker-Rosendahl (2011), Katarina Witt (2010), Uli Hoeneß (2009), Steffi Graf (2008), Heiner Brand (2007), Franz Beckenbauer (2006), Ingrid Mickler-Becker (2005), Roland Matthes (2004), Manfred Germar (2003), Uwe Seeler (2002), Rosi Mittermaier-Neureuther (2001), Hans Günter Winkler (2000).

 

Olympiateilnahme 1996

1985 stand Angela Schuster als Juniorin erstmals im Nationalteam des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Schuster nahm an acht Weltmeisterschaften teil, gewann zweimal Silber und einmal Bronze. Bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta schaffte sie als Ersatzruderin den Sprung ins deutsche Auswahlteam. Die mehrfache Deutsche Meisterin im Einer, Doppelzweier und Doppelvierer war die erste Athletin, die dreimal in Folge den Leichtgewichts-Einer bei den nationalen Titelkämpfen gewinnen konnte. Bei den Weltcup-Regatten in Luzern, Mexiko, Duisburg und Köln holte sie von 1991 bis 1994 Silber und Bronze im Einer. 1995 folgte in Tampere (Finnland) ihre letzte internationale Platzierung mit Rang vier im WM-Finale der Doppelzweier.

 

Schäuble hält Laudatio

Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble wird am 27.Mai 2021 in Berlin die Laudatio auf Hans Wilhelm Gäb halten. Der gelernte Journalist Gäb gründete zu Beginn seiner beruflichen Karriere das Fachmagazin „Auto-Zeitung“ (1968) und war bei Ford (1973-1981) der erste Kommunikations-Chef im Vorstandsrang. 1982 wechselte er zur Adam Opel AG, zunächst in den Vorstand, zuletzt als Vice-President von General Motors Europe und Aufsichtsratsvorsitzender der Adam Opel AG. Nach dem beruflichen Ausstieg bei Opel (1998) engagierte er sich wieder verstärkt im Sport und kehrte in den Sporthilfe-Vorstand zurück, von 2005 bis 2007 als Vorstandsvorsitzender. Unter dem Motto „Leistung. Fairplay. Miteinander.“ entwickelte er den noch heute gültigen strategischen Markenkern der Stiftung. 2008 wechselte er als Vorsitzender in den Aufsichtsrat, dem er bis heute als Ehrenvorsitzender angehört. Hans Wilhelm Gäb ist seit 58 Jahren mit Frau Hella verheiratet und hat zwei Kinder.

Stefan Lotz

 

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